Die Elfen - Ludwig Uhland
Die Elfen
Erste:
Kommt herbei, ihr luft'gen Schwestern!
Seht! ein holdes Erdenkind!
Sputet euch, bevor sie fliehet!
Solch ein Hexchen ist geschwind.
Alle:
Mädchen, komm zum Elfentanze,
Komm im Mond- und Sternenglanze!
Zweite:
Traun! du bist ein leichtes Liebchen,
Wiegst nicht über fünfzig Pfund,
Hast ein kleines, flinkes Füßchen;
Tanze mit uns in die Rund!
Dritte:
Kannst wohl frei in Lüften schweben,
Bis man eben drei gezählt,
Stampfst zuweilen kaum ein wenig,
Daß man nicht den Takt verfehlt.
Alle:
Zürne nicht, du flinke Kleine,
Tanze frisch im Mondenscheine!
Vierte:
Trautes Liebchen! kannst du lachen?
Weinst du gern im Mondenschein?
Weine nur! so wirst du schmelzen,
Bald ein leichtes Elfchen sein.
Fünfte:
Sprich! ist auch dein Fleiß zu loben?
Ist dir keine Arbeit fremd?
Ist dein Brautbett schon gewoben?
Spinnst du schon fürs Totenhemd?
Sechste:
Kennst du auch die große Lehre
Von der Butter und dem Schmalz?
Spürst du in den Fingerspitzen:
Wieviel Pfeffer, wieviel Salz?
Alle:
Liebchen, laß uns immer fragen!
Darfst uns keine Antwort sagen.
Siebente:
Hast du nichts auf dem Gewissen,
Wie so manches arme Kind,
Von verstohlnen süßen Küssen,
Welches große Sünden sind?
Achte:
Oder bist du schon ein Bräutchen?
Hast 'nen Bräutigam so treu,
Der dich darf spazieren führen
Nachmittags von eins bis zwei?
Neunte:
Hast du einen Ring am Finger,
Schwer von Gold, mit Stein geschmückt?
Das ist echte Lieb und Treue,
Wenn es recht am Finger drückt.
Zehnte:
Liebchen! bist noch immer böse?
Hast du so ein hitzig Blut?
Mußt dir's Zürnen abgewöhnen,
Ist nicht für die Ehe gut.
Alle:
Liebchen, frisch zum Elfentanze!
Auf im Mond- und Sternenglanze!
Quelle:
Ludwig Uhland: Werke. Band 1, München 1980, S. 192-194.
Quelle: http://www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH
Erste:
Kommt herbei, ihr luft'gen Schwestern!
Seht! ein holdes Erdenkind!
Sputet euch, bevor sie fliehet!
Solch ein Hexchen ist geschwind.
Alle:
Mädchen, komm zum Elfentanze,
Komm im Mond- und Sternenglanze!
Zweite:
Traun! du bist ein leichtes Liebchen,
Wiegst nicht über fünfzig Pfund,
Hast ein kleines, flinkes Füßchen;
Tanze mit uns in die Rund!
Dritte:
Kannst wohl frei in Lüften schweben,
Bis man eben drei gezählt,
Stampfst zuweilen kaum ein wenig,
Daß man nicht den Takt verfehlt.
Alle:
Zürne nicht, du flinke Kleine,
Tanze frisch im Mondenscheine!
Vierte:
Trautes Liebchen! kannst du lachen?
Weinst du gern im Mondenschein?
Weine nur! so wirst du schmelzen,
Bald ein leichtes Elfchen sein.
Fünfte:
Sprich! ist auch dein Fleiß zu loben?
Ist dir keine Arbeit fremd?
Ist dein Brautbett schon gewoben?
Spinnst du schon fürs Totenhemd?
Sechste:
Kennst du auch die große Lehre
Von der Butter und dem Schmalz?
Spürst du in den Fingerspitzen:
Wieviel Pfeffer, wieviel Salz?
Alle:
Liebchen, laß uns immer fragen!
Darfst uns keine Antwort sagen.
Siebente:
Hast du nichts auf dem Gewissen,
Wie so manches arme Kind,
Von verstohlnen süßen Küssen,
Welches große Sünden sind?
Achte:
Oder bist du schon ein Bräutchen?
Hast 'nen Bräutigam so treu,
Der dich darf spazieren führen
Nachmittags von eins bis zwei?
Neunte:
Hast du einen Ring am Finger,
Schwer von Gold, mit Stein geschmückt?
Das ist echte Lieb und Treue,
Wenn es recht am Finger drückt.
Zehnte:
Liebchen! bist noch immer böse?
Hast du so ein hitzig Blut?
Mußt dir's Zürnen abgewöhnen,
Ist nicht für die Ehe gut.
Alle:
Liebchen, frisch zum Elfentanze!
Auf im Mond- und Sternenglanze!
Quelle:
Ludwig Uhland: Werke. Band 1, München 1980, S. 192-194.
Quelle: http://www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

















